{"id":2089,"date":"2025-09-24T09:30:00","date_gmt":"2025-09-24T07:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/twistedtales.tv\/the-psychologists-word-or-weaving-oneself-through-listening-to-fairy-tales\/"},"modified":"2026-02-04T11:21:25","modified_gmt":"2026-02-04T10:21:25","slug":"das-wort-der-psychologin-oder-die-erfindung-des-selbst-beim-anhoeren-von-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/das-wort-der-psychologin-oder-die-erfindung-des-selbst-beim-anhoeren-von-maerchen\/","title":{"rendered":"Das Wort der Psychologin oder die Erfindung des Selbst beim Anh\u00f6ren von M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"\t<div class=\"lg:grid lg:grid-cols-6 lg:gap-6.25 pb-10.5\">\r\n\t\t<div class=\"lg:col-span-4 lg:col-start-2\">\r\n\t\t\t<h1>Das Wort der Psychologin oder die Erfindung des Selbst beim Anh\u00f6ren von M\u00e4rchen<\/h1>\n<p>Von Suzana Krsti\u0107, Psychologin, Gestalttherapeutin und freiberufliche Referentin<\/p>\n\t\t<\/div>\r\n\t<\/div>\r\n\n\n\t<div class=\"lg:grid lg:grid-cols-6 lg:gap-6.25\">\r\n\t\t<figure class=\"lg:col-span-4 lg:col-start-2\">\r\n\t\t\t\t\t\t\t\r\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/twistedtales.tv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1-scaled.png\" alt=\"\" class=\"lazyload w-full block\" loading=\"lazy\">\r\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\r\n\t\t<\/figure>\r\n\t<\/div>\r\n\n\n\t<div class=\"lg:grid lg:grid-cols-6 lg:gap-6.25 pb-10.5\">\r\n\t\t<div class=\"lg:col-span-4 lg:col-start-2\">\r\n\t\t\t<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es war einmal, zu einer Zeit vor der Zeit, als wir Erwachsenen selbst noch Kinder waren, da gab es M\u00e4rchen, die waren aus Spinnweben gewoben, mit Feenstaub behaucht und mit der Weisheit aller Farben des Regenbogens gesprenkelt. Dann aber kam das \u201eechte Leben\u201c, voller d\u00fcsterer Vorurteile, schmerzhafter Zur\u00fcckweisungen und be\u00e4ngstigender Diskriminierung. Dies motivierte uns, innerlich noch ein wenig weiter zu wachsen, die Hand unseres inneren Kindes zu ergreifen und neue, verdrehte M\u00e4rchen zu erfinden, um neuen, wunderbaren Kindern gewundene gelbe Ziegelstra\u00dfen zu er\u00f6ffnen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Auf dass aus unseren sch\u00f6nen und schmerzhaften Erinnerungen Magie entstehe, die Kinder, Eltern, Gro\u00dfeltern und Lehrer*innen verbindet \u2013 und alle, die bereit sind zu wachsen.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Denn dazu sind M\u00e4rchen schlie\u00dflich da: Sie sollen vermitteln, lenken, f\u00f6rdern, hinterfragen, verzaubern, lehren. Damit Kinder sich selbst so lieben k\u00f6nnen, wie sie sind, damit sie Vielfalt akzeptieren \u2013 ihre eigene und die der anderen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine der anspruchsvollsten Aufgaben von Eltern und allen, die mit Kindern arbeiten, besteht darin, die Kinder dabei zu unterst\u00fctzen, einen Sinn im Leben zu finden, ihr Leben mit Bedeutung zu f\u00fcllen. Und es ist zugleich eine der wichtigsten Funktionen von M\u00e4rchen. M\u00e4rchen regen die Fantasie von Kindern an, f\u00f6rdern ihre intellektuelle Entwicklung und helfen ihnen, die eigenen Gef\u00fchle und Schwierigkeiten besser zu erkennen und zu verstehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im M\u00e4rchen sind die Narrative vereinfacht, existenzielle Dilemmata direkt und pr\u00e4gnant dargestellt, so dass das Kind Probleme in ihrem Kern erfassen kann. Paradoxerweise respektieren M\u00e4rchen die Ernsthaftigkeit kindlicher Dilemmata und Sorgen und helfen Kindern dadurch, L\u00f6sungen f\u00fcr ihre eigenen verwirrenden Probleme zu finden \u2013 n\u00e4mlich durch die Erkenntnis, dass selbst M\u00e4rchenheld*innen symbolisch \u00e4hnliche Herausforderungen durchleben m\u00fcssen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Durch M\u00e4rchen k\u00f6nnen Kinder Erfahrungen sammeln, statt nur das Verhalten der Eltern nachzuahmen \u2013 denn Eltern hemmen mit ihren reifen und realit\u00e4tsbezogenen Einstellungen das animistische, magische Denken, das bei Kindern bis zur Pubert\u00e4t besteht. Kinder folgen dem Realismus der Erwachsenen, aber tief im Inneren wollen sie glauben, dass alle Dinge, Ph\u00e4nomene und Lebewesen menschliche Eigenschaften besitzen. M\u00e4rchen gestehen ihnen diese Magie nicht nur zu, sie best\u00e4tigen sie sogar. <\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Twisted Tales sind nicht blo\u00df M\u00e4rchen. Es sind M\u00e4rchen, die Grenzen verschieben, M\u00e4rchen, die den Rahmen sprengen.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Man muss ihre Bedeutung nicht erkl\u00e4ren, sondern sollte vielmehr offen daf\u00fcr sein, das Verst\u00e4ndnis des Kindes f\u00fcr das Geh\u00f6rte zu diskutieren und wertzusch\u00e4tzen. M\u00e4rchen sind suggestiv, sie k\u00f6nnen L\u00f6sungen aufzeigen, ohne diese explizit zu benennen. Es ist wichtig f\u00fcr Kinder, dass sie selbst L\u00f6sungen finden, das M\u00e4rchen selbst abschlie\u00dfen, es auf eine Weise interpretieren, die ihnen nahe ist. Man entwertet die Bedeutung eines M\u00e4rchens f\u00fcr ein Kind, wenn man ihm seinen Sinn erkl\u00e4rt, anstatt das Kind selbst seine eigenen Schl\u00fcsse ziehen zu lassen. Welche auch immer das sein m\u00f6gen: Sie verraten etwas \u00fcber die inneren Dilemmata und Herausforderungen, vor denen das Kind gerade steht. M\u00e4rchen \u00fcberlassen es der Fantasie des Kindes, zu entscheiden, wie und in welcher Weise es die Erkenntnisse anwenden will, die die Geschichte \u00fcber das Leben und die menschliche Natur enth\u00fcllt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Durch das gemeinsame Anh\u00f6ren von M\u00e4rchen k\u00f6nnen Gespr\u00e4che entstehen, die Erwachsenen Aufschluss \u00fcber die Kompetenzen, das Wissen und das Bewusstsein des Kindes hinsichtlich der im M\u00e4rchen behandelten Ph\u00e4nomene geben. Dar\u00fcber hinaus ist der wichtigste Aspekt der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern die gemeinsam verbrachte Zeit, die Unterst\u00fctzung, die das Kind erf\u00e4hrt, die liebevolle Zuwendung sowie der wertvolle emotionale Austausch.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">M\u00e4rchen kann man sich jederzeit und \u00fcberall anh\u00f6ren. Am Morgen, w\u00e4hrend man sich f\u00fcr die Schule fertig macht, im Auto auf dem Weg zum Kindergarten, im Schulunterricht, in den Ferien, vor dem Schlafengehen \u2013 wann und wo immer sich eine Gelegenheit ergibt.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Zeit und Ort spielen keine Rolle, wichtig sind Offenheit, Pr\u00e4senz und Engagement.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Kinder k\u00f6nnen diese M\u00e4rchen h\u00f6ren oder lesen, was je nach den F\u00e4higkeiten und Vorlieben der Kinder unterschiedliche Zug\u00e4nge zul\u00e4sst.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die in der App enthaltene Option, sich eigene M\u00e4rchen auszudenken und aufzunehmen, f\u00f6rdert bei den Kindern Selbstvertrauen, Akzeptanz und Kreativit\u00e4t und bietet zudem Gelegenheit, durch Fantasie und das Spiel mit unm\u00f6glichen Handlungsstr\u00e4ngen L\u00f6sungen f\u00fcr innere Prozesse zu suchen und zu finden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit Twisted Tales k\u00f6nnen Erwachsene wie Kinder wachsen, kindlich werden, auf Teppichen fliegen, durch dunkle W\u00e4lder wandern, tanzen, vor K\u00e4lte erstarren, auftauen, zahllosen Herausforderungen begegnen und schlie\u00dflich hinter all den Labyrinthen sich selbst finden, bereichert um neue Erkenntnisse und Vielf\u00e4ltigkeiten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\"><strong>Indem wir die Unterschiede der anderen akzeptieren, k\u00f6nnen wir uns selbst akzeptieren und lieben.<\/strong><\/p>\n\t\t<\/div>\r\n\t<\/div>\r\n\n\n\t<div class=\"lg:grid lg:grid-cols-6 lg:gap-6.25\">\r\n\t\t<figure class=\"lg:col-span-4 lg:col-start-2\">\r\n\t\t\t\t\t\t\t\r\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/twistedtales.tv\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/img-content-section-003.svg\" alt=\"\" class=\"lazyload w-full block\" loading=\"lazy\">\r\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\r\n\t\t<\/figure>\r\n\t<\/div>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Suzana Krsti\u0107, Psychologin, Gestalttherapeutin und freiberufliche Referentin<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-2089","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2089"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2089\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3055,"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2089\/revisions\/3055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/twistedtales.tv\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}